Februar 2021 Corona-Lockdown: The same procedure as every year

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Sperrfrist: 21.2.2021, Redebeginn: 12:00 Uhr

 

Rede
des fraktionslosen Landtagsabgeordneten

Dr. Frank Brodehl

 

 

Mündlicher Bericht zu der Konferenz der Bundeskanzlerin mit den Regierungscheffinnen und Regierungschefs der Länder zur Corona-Pandemie am 10. Februar 2021

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am 11.2.2021 im Kieler Landtag

 

 

 

 

 

Es gilt das gesprochene Wort!

    

  1. Einleitung

 

Sehr geehrter Herr Präsident,

sehr geehrte Damen und Herren,

 

es gibt ja dieser Tage praktisch keinen Politiker, der nicht mantrahaft wiederholt, dass sich die ersten Öffnungsschritte unbedingt auf Schulen, Kitas und Familie beziehen müssten.

Gut daran ist, dass Kindern und Jugendlichen überhaupt beachtet werden. Schlecht daran ist, dass es bei reinen Lippenbekenntnissen bleibt, denn, meine Damen und Herren, immer dann, wenn Coronamaßnahmen gelockert werden sollen, kommt die Einschränkung „wenn das Infektionsgeschehen es zulässt“.

 

 

 

  1. Hauptteil

Deutschland verfolgt also weiter eine Politik, deren vorrangiges Ziel die Verhinderung einer jeden Neuinfektion ist. Dass genau dieser Ansatz aber längst in eine Sackgasse geführt hat und zu irreparable Kollateralschäden geführt hat – gerade bei Kindern und Jugendlichen, ich komme gleich noch dazu – das wird ausgeblendet.

Abgesehen davon, dass es beim gestrigen Kanzlerin-Länderchefs-Treffen eine neue Zahl gab, die 35, geht es also weiter wie bereits im November, Dezember und Januar:

Einerseits werden Lockerungen in Aussicht gestellt und gleichzeitig wird vor noch strengeren Maßnahmen gewarnt. The same procedure as every year, in Deutschland im Dreiwochenrhythmus; Hauptsache, wir bleiben im Ungefähren.

Es ist deshalb überhaupt nicht verwunderlich, dass ein immer größer werdender Teil der Bevölkerung die Lockdownmaßnahmen allenfalls stumpf hinnimmt. Nach außen hin äußert man zwar keine Kritik, aber im Privaten trifft man sich eben doch mit Freunden, geht man eben doch gemeinsam zum Rodeln, da verreist man, da lässt man sich schwarz die Haare schneiden. Kurz: Man trägt die Maske unter der Nase und richtet sich auf ein Doppelleben ein.

Aus der Diskussion aber, welche Maßnahmen denn nun wirklich richtig und verhältnismäßig sind, hat man sich längst ausgeklinkt. Und zwar nicht aus Ignoranz, sondern aus drei ganz handfesten Gründen.

Zum einem funktioniert der Lockdown im wirklichen Leben schlicht nicht, er ist vielmehr unmenschlich! Zweitens möchte man aber „nichts Falsches“ sagen und schweigt also lieber. Besser, als in die Ecke der Corona-Leugner gestellt zu werden. Und drittens ist man schlicht verunsichert – verunsichert deshalb, weil seitens der Politik widersprüchlich argumentiert wird oder weil gezielt auf Angstmacherei gesetzt wird.

Man ist also still und geht, auch wenn´s einem widersprüchlich erscheint, weiter zur Arbeit, ganz anders als Kinder und Jugendliche!

Deren „Arbeitsplätze“ wurde geschlossen. Und noch mehr: Keine Vereine mehr, keine Sportwettkämpfe, keine Partys, keine Ausflüge, nicht einmal Stillgruppen für die Neugeborene. Dabei ist uns allen klar: Sozialkontakte innerhalb ihrer Peergroup sind für Heranwachsende überlebenswichtig und sie lassen sich weder digital ersetzen noch lassen sie sich nachholen.

Wenn der regierende Bürgermeister von Berlin in der gestrigen Pressekonferenz allen Ernstes sagt, dass sich bei Kindern und Jugendlichen bisher keine negativen Folgen ausmachen lassen, dann verkennt er die Realität vollkommen. Die psychischen Folgen der Coroanamaßnahmen, die körperlichen und seelischen Belastungen, sind unter Psychologen vollkommen unumstritten. Und man muss auch kein Pädagoge sein, um zu wissen: Nach Corona werden sie nicht einfach einen Schalter umlegen können als wäre nichts gewesen – die mittel- und langfristigen Folgeschäden sind noch gar nicht abzuschätzen. Eins ist aber jetzt schon traurige Realität: Die Plätze in Kinder- und Jugendpsychiatrien sind – coronabedingt! – deutlich mehr ausgelastet als die Intensivstationen der Krankenhäuser.

  • Schluss

Wenn wir also wissen, wie wichtig Schule, Freunde und Sport für eine gesunde Entwicklung sind, dann darf es nicht bei Lippenbekenntnissen bleiben. Dann müssen das Wohl und die Würde von Kindern und Jugendlichen im Vordergrund stehen: Heben Sie sämtliche Kontaktbeschränkungen für alle Kinder und Jugendliche auf. Öffnen Sie Kitas, Schulen, Jugendtreffs und Sportvereine wieder. Nicht irgendwann und nicht scheibchenweise, sondern am kommenden Montag.

 

21-02-11 Corona Lockdown The same procedure as every jear (3)

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